Hansatango II – Eine Chaosfahrt, die sich gelohnt hat

Anfang August entschied sich „MS Tango Bohemio e.V.“ mit einer 24 „Mann“ starken Besatzung Kurs auf Hamburg zu nehmen und die Stadt im Tangoschritt zu erobern. Eine Herausforderung: Messewochenende zur gleichen Zeit, abgesprungene Reiseanbieter und nur noch drei Monate, bis es losgehen soll. Ein Seemann wäre diesem Stern wahrscheinlich eher nicht gefolgt…

Wir aber haben uns nicht unterkriegen lassen. In Kooperation mit dem Reisebüro „kleine Fluchten“ in Gütersloh und einer überaus engagierten Mitarbeiterin konnte die Reise doch stattfinden. Hallelujah! Selbst Änderungen bis kurz vor Reisebeginn konnten berücksichtigt werden und am 26.10. ging es endlich los – sogar mit einer um einen „Mann“ gestärkte Besatzung, die sich in Hamburg noch um zwei weitere Besatzungsmitglieder vergrößerte.

So chaotisch und stressig es im Vorfeld auch war, umso grandioser war die Fahrt selbst:

Andocken in Hamburg, Anker werfen im Hotel und auf zum gemeinsamen Mittagessen. Im Anschluss stand eine Alsterfahrt an: tolle Ausblicke auf die Hamburger „Edelresidenzen“ und zum Glück niemand mit Seekrankheit. „Alsterwasser“ gab es leider nur außerhalb des Bootes.

Abends machten wir uns auf zum ersten Salon, das „Al lido“. Und selbst in Hamburg begegneten und bekannte Gesichter – so klein ist die Tangowelt.

Etwa fünf Stunden später fanden wir uns alle im Frühstücksraum des Hotels wieder, um uns zu stärken für den ersten Trainingstag im „La Yumba“. Unsere Tangoschuhe konnten wir gleich dort lassen, denn abends verwandelte sich der Raum in einen Tangosalon, zu dem wir abends ohnehin zurückkehrten. Die Zwischenzeit vertrieben wir uns mit einem geführten Bummel über die Reeperbahn mit Jörn „Kie(t)zhöfer“, der temporär vom Tangolehrer zum Stadtführer wurde. Einige Teilnehmerinnen, die verbotener Weise den „frauenfreien Bereich“ betraten (zum Glück war dort wohl gerade Mittagspause) und „Bier auch vor Vier“ gaben dem Bummel einen gewissen Nervenkitzel. Kurze Verschnaufpause im Hotel und erneut auf zum „La Yumba“, das nun in buntem Licht uns Salonatmosphäre erstrahlte.

Am dritten Tag stand ein Besuch des Hafenmuseums Hamburg auf dem Programm. Trotz Anfahrtsver(w)irrungen und Nasskaltem Windewetter landeten wir (fast) pünktlich im Museum und konnten uns im Heizkeller eines Ausstellungsbootes aufwärmen. Erkenntnis des Tages: Supermärkte können Bananen in verschiedenen Gelbabstufungen ordern.

Nach dem gemeinsamen Abschlussessen ging es auf zum „Movimientos“, wo die Gruppe den letzten Abend vertanzte.

Drei Lehrende, allabendliche atmosphärische Salonbesuche und lustige „Absacker“ in den Kneipen auf Sankt Pauli, Shoppingtouren durch die Speicherstadt, um die Tangogarderobe aufzumotzen bereicherten unsere Fahrt und nicht zuletzt, nein in erster Linie, eine großartige Gruppe ließ sie zu einem echten Erlebnis werden.

Selbst die Rückfahrtsodyssee am 29.10. – ja, das war der Tag, an dem der heftige Sturm zuvor getobt hatte und quasi den gesamten Bahnverkehr flachlegte – konnte der Gruppe nicht die gute Laune verderben – im Gegenteil! Der dreistündige ungewollte verlängerte Aufenthalt in den Gastronomien nahe des Hamburger Bahnhofs, um im Falle des Falles schnell in den nächsten Zug, der wieder fährt, springen zu können, ging herum wie im Flug.

Eine improvisierte Stehparty aufgrund des überfüllten ICE, der uns um 18 Uhr von Hamburg schonmal bis Hannover bringen konnte, Lautsprecherdurchsagen der Deutschen Bahn, wie froh wir doch alle sein könnten, dass der Zug überhaupt losgefahren sei und bewusst auf Fahrkartenkontrollen verzichtet würde, oder Mitreisende, die trotz der Umstände auf ihre Sitzplatzreservierung bestanden, trugen zur Belustigung der Gruppe bei.

Letzte Etappe: Hannover – Bielefeld (für einige noch weiter bis ins Münsterland). Plätze in der Ersten Klasse und Nervennahrung in fester sowie flüssiger Form, die ein Teilnehmer noch schnell in Hannover besorgte, setzten der Odyssee die Krone auf.

Endlich in Bielefeld angekommen, fiel jedoch der Abschied umso schwerer. Einige konnten sich noch nicht losreißen und beschlossen den Abend in unserem Heimathafen bei Susanne Bartsch.

Was für eine Fahrt – turbulent, lehrreich, großartig!

Und die Planungen für die nächste Fahrt, Hansatango III, laufen schon. Haltet in der Jahresplanung 2018 Ende Oktober frei, denn dann heißt es wieder: Leinen los und auf nach Hamburg! Wir freuen uns auf Euch!!

Collage: Sabrina Kohl

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.